Discussion:
Was ist das Gegenteil von "Weiche aufschneiden"?
(zu alt für eine Antwort)
Christian Ullrich
2017-04-17 15:03:52 UTC
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Raw Message
Hallo,

vor einer Weile habe ich den RAIB-Untersuchungsbericht zu einer
Entgleisung im Februar 2007 (Grayrigg, 2008) gelesen, wo aufgrund einer
defekten Weiche die Spurweite zwischen den Weichenzungen so groß war,
daß ein Radsatz, von der Spitze her kommend,_zwischen_ die Zungen
geraten ist.

Ich weiß, daß der Fall, daß ein Radkranz zwischen die Zunge und die
durchgehende Schiene gerät, als »Aufschneiden« bezeichnet wird, aber
gibt es im Deutschen auch einen Begriff für die obige Situation?

Danke!
--
Christian
Ralf Gunkel
2017-04-17 15:14:19 UTC
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Raw Message
Post by Christian Ullrich
Hallo,
vor einer Weile habe ich den RAIB-Untersuchungsbericht zu einer
Entgleisung im Februar 2007 (Grayrigg, 2008) gelesen, wo aufgrund einer
defekten Weiche die Spurweite zwischen den Weichenzungen so groß war,
daß ein Radsatz, von der Spitze her kommend,_zwischen_ die Zungen
geraten ist.
Ich weiß, daß der Fall, daß ein Radkranz zwischen die Zunge und die
durchgehende Schiene gerät, als »Aufschneiden« bezeichnet wird, aber
gibt es im Deutschen auch einen Begriff für die obige Situation?
Das ist schlicht eine Spurerweiterung und kein Aufschneide denn der
"dazwischen fällt".

Ein Fahrzeug kann in der Regel nicht beide Zungen aufschneiden da je nur
eine Zunge vom Rad befahren wird. Das andere Rad läuft auf der
Backenschiene und damit definiert und gewollt zwischen Zunge und
Backenschiene.
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Gruss Ralf
--
"Sicherungstechnik ist gelebte Paranoia. Und das ist auch gut so." Dirk
Moebius in deb*
Christian Ullrich
2017-04-17 15:46:55 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Gunkel
einer defekten Weiche die Spurweite zwischen den Weichenzungen so groß
war, daß ein Radsatz, von der Spitze her kommend,_zwischen_ die Zungen
geraten ist.
Ich weiß, daß der Fall, daß ein Radkranz zwischen die Zunge und die
durchgehende Schiene gerät, als »Aufschneiden« bezeichnet wird, aber
gibt es im Deutschen auch einen Begriff für die obige Situation?
Das ist schlicht eine Spurerweiterung und kein Aufschneide denn der
"dazwischen fällt".
Das hat ja auch niemand behauptet :-).
Post by Ralf Gunkel
Ein Fahrzeug kann in der Regel nicht beide Zungen aufschneiden da je nur
eine Zunge vom Rad befahren wird. Das andere Rad läuft auf der
Backenschiene und damit definiert und gewollt zwischen Zunge und
Backenschiene. http://ralf-gunkel.de/dso/weiche-kspv.JPG
In dem britischen Fall war wegen mangelnder Wartung (das
Verkehrsaufkommen hatte sich einige Zeit vorher stark erhöht und die für
Streckengänge verfügbaren Zeiträume waren dadurch eingeschränkt,
obendrein auch noch auf die Nacht und den sehr frühen Morgen) nicht
erkannt worden, daß im Laufe der Zeit alle drei "stretcher bars" (also
Abstandhalter, wie die Dinger auch immer hierzulande heißen mögen, falls
es sie überhaupt gibt) zwischen den Zungen entweder ab- oder
auseinandergefallen waren.

Besonders tragisch war, daß an demselben Morgen eine Inspektion
angesetzt war, der zuständige Ingenieur aber diesen Teil der Strecke
nicht begangen hat, weil er vergessen hatte, daß er ihn mit einem
Kollegen getauscht hatte.

Obendrein war auch noch die Endlagenüberwachung im Eimer, weil sie sich
mitsamt der Antriebsstange von der einen Zunge gelöst hatte.

Als dann der HST in voller Fahrt die Weiche erreichte ... nun ja.
--
Christian
Ralf Gunkel
2017-04-17 16:18:58 UTC
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Raw Message
Post by Christian Ullrich
Post by Ralf Gunkel
einer defekten Weiche die Spurweite zwischen den Weichenzungen so groß
war, daß ein Radsatz, von der Spitze her kommend,_zwischen_ die Zungen
geraten ist.
Ich weiß, daß der Fall, daß ein Radkranz zwischen die Zunge und die
durchgehende Schiene gerät, als »Aufschneiden« bezeichnet wird, aber
gibt es im Deutschen auch einen Begriff für die obige Situation?
Das ist schlicht eine Spurerweiterung und kein Aufschneide denn der
"dazwischen fällt".
Das hat ja auch niemand behauptet :-).
Post by Ralf Gunkel
Ein Fahrzeug kann in der Regel nicht beide Zungen aufschneiden da je nur
eine Zunge vom Rad befahren wird. Das andere Rad läuft auf der
Backenschiene und damit definiert und gewollt zwischen Zunge und
Backenschiene. http://ralf-gunkel.de/dso/weiche-kspv.JPG
In dem britischen Fall war wegen mangelnder Wartung (das
Verkehrsaufkommen hatte sich einige Zeit vorher stark erhöht und die für
Streckengänge verfügbaren Zeiträume waren dadurch eingeschränkt,
obendrein auch noch auf die Nacht und den sehr frühen Morgen) nicht
erkannt worden, daß im Laufe der Zeit alle drei "stretcher bars" (also
Abstandhalter, wie die Dinger auch immer hierzulande heißen mögen, falls
es sie überhaupt gibt) zwischen den Zungen entweder ab- oder
auseinandergefallen waren.
Wenn diese Strecher Bars die Zungen verbinden sind diese bedingt der
Schieberstange vergleichbar. Trotzdem tritt dann der Fall hierzulande nicht
ein da die Zunge einerseits vom Verschluss noch gehalten wird und zudem die
Endlagenprüferstangen nicht nur die Endlage auf <4mm überwachen als auch
qualifiziert festhalten.

In GB kennt man das System der zumeist in D, A und CH, oder teilweise in F,
E und P, angewendeten Verschlüsse eher nicht. Dort sichertund Verschließt
man im Antrieb. Dabeimuss man viel Aufwand betreiben ob die Verbindungen in
Ordnung sind.
Zudem wirkt das System stark "drückend" auf die Backenschienen womit diese
zu erweiterten Spuren neigen (auch ein Problem des in CH noch verwendeten
Gelenkverschluss). Daher sibd dort zusätzliche Verbinder der Backenschienen
vorhanden.

Beim Klammer- oder Klinkenverschluss enkoppelt man die Krafteinwirkung vom
Antrieb als auch von der Backenschiene.
Post by Christian Ullrich
Besonders tragisch war, daß an demselben Morgen eine Inspektion
angesetzt war, der zuständige Ingenieur aber diesen Teil der Strecke
nicht begangen hat, weil er vergessen hatte, daß er ihn mit einem
Kollegen getauscht hatte.
Organversagen des Betreibers.
Post by Christian Ullrich
Obendrein war auch noch die Endlagenüberwachung im Eimer, weil sie sich
mitsamt der Antriebsstange von der einen Zunge gelöst hatte.
Organversagen des Betreibers
Post by Christian Ullrich
Als dann der HST in voller Fahrt die Weiche erreichte ... nun ja.
Wer HST fahren will muss auch Hochleistung in der Instandhaltung und Wartung
liefern bzw. ausreichend redundante und fehleroffenbarende Systeme
verwenden.


Gruss Ralf
--
"Sicherungstechnik ist gelebte Paranoia. Und das ist auch gut so." Dirk
Moebius in deb*
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