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Unfallbericht Bad Aibling liegt nun vor
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U***@web.de
2018-10-29 15:32:59 UTC
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Moin,

https://www.eisenbahn-unfalluntersuchung.de/SharedDocs/Downloads/EUB/Untersuchungsberichte/2016/114_Bad_Aibling_-_Kolbermoor1.html
noch nicht komplett gelesen (dauert), aber:

Bei der Aktensichtung mit Schwerpunkt Signaltechnik
(ehemaliges Bundesbahnzentralamt der Deutschen Bundesbahn (BZA) München)
und Betrieb (Zentrale Transportleitung der Deutschen Bundesbahn (ZTL) Mainz)
fiel auf, dass die einzelnen Bundesbahndirektionen (BD) bei
Relaisstellwerken mit ferngestellten Bf unterschiedlichste
Ausführungen der Streckensicherung zugelassen hatten und diese
vielen Bauformen nur schwer mit allgemein gültigen Regeln der Fahrdienstvorschrift in Einklang zu bringen waren. Als Beispiele
dienen hier:

• Das Schreiben der ZTL vom 11.10.1983, 3110.3101
Bavf 3215, bei dem unterschiedlichen Ausrüstungsfälle abgefragt
und ein Versuch der Benennung der Stellwerkstechniken erfolgte (Anlage 3)
• Die interne Ergänzung zum BZA-Vermerk/-Schreiben vom 18.06.1984,
61.6101 Ssd 10.03.4, an die Hauptverwaltung mit der Aussage:
„U. E. ist nur der Weg gangbar, dass die BD das selbst prüft, was sie
ja auch seinerzeit ohne Genehmigung gebaut haben, nachdem zuvor
die Anordnungs- und Schaltungsrichtlinien von der Hauptverwaltung
der Deutschen Bundesbahn genehmigt (HVB) worden sind.“






Auch die Anwendung des Zb 65 ohne Selbstblockstreckengruppe
wird von der genannten HVB-Verfügung vom 29.08.1984 geregelt.
Ebenfalls in Ril 818 (ab Seite 10133) behandeln zwei Verfügungen
des BZA München vom 29.08.1984, 61.6101 Ssd 10.03.4, und
vom 17.04.1991, 60.6005 Ssr, das Thema Anwendung der Räumungsprüfung
durch Auswerten der Meldeanzeigen bei Blockstreckensicherung
mit Schaltmitteln der Bahnhofstechnik (und damit auch bei Zb 65
ohne Selbstblockstreckengruppe). Eine wesentliche Aussage
mit Bezug zum hiesigen Unfall lautet: „Eine weitere Bedingung ist,
daß [sic!] Blockstreckensicherung mit Fahrstraßentechnik nur auf einem Blockstreckenabschnitt, d. h. ohne Signalteilung auf der Strecke, vorhanden sein darf.“
Die Streckensicherung zwischen Heufeld und Bad Aibling erfolgt
mit Schaltmitteln der Fahrstraßentechnik, die Streckensicherung
zwischen Bad Aibling und Kolbermoor mittels Zb 65 ohne Selbstblockstreckengruppe. Ein Zb 65 ohne Selbstblockstreckengruppe
ist, im Gegensatz zum „klassischen“ Zb, der Blocksicherung mit
Fahrstraßentechnik zuzuordnen (siehe auch Anlage 3, Ril 482.9001A07).




Die Form der zwischen Zbk 313–Kolbermoor und Zbk 314–Bad Aibling realisierten Ausleuchtungsanschaltung ist nicht nachvollziehbar und steht dem gültigen Regelwerk entgegen.



Oder so...

Gruß, ULF
U***@web.de
2018-10-29 16:10:39 UTC
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Post by U***@web.de
https://www.eisenbahn-unfalluntersuchung.de/SharedDocs/Downloads/EUB/Untersuchungsberichte/2016/114_Bad_Aibling_-_Kolbermoor1.html
"Die Auswertung des Vordrucks „Nachweise der Zählwerke“ (12.11.2015– 09.02.2016)
des Stellwerks Bad Aibling ergab, dass das Ersatzsignal Zs 1 im genannten
Zeitraum im Stellwerk insgesamt zwölfmal bedient wurde, davon zweimal am
09.02.2016 für den Zug 79505. Die Zs-1-Bedienungen waren nachvollziehbar."

Wie man's nimmt. Die Nummern werden dokumentiert gewesen sein,
aber zumindest für 79505 hätte Zs1 nicht bedient werden dürfen, nicht
in der Konstellation.

Züge wurden von Rosenheim in die Zugnummernmeldeanlage angeliefert,
für den weiteren Betrieb hatte sich der Fdl die Nummern ins
Zugmeldebuch zu schreiben. Jeweils einmal? Oder einmal pro
passiertem Bahnhof?

Gruß, ULF
Michael Unger
2018-10-29 17:08:03 UTC
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https://www.eisenbahn-unfalluntersuchung.de/SharedDocs/Downloads/EUB/Untersuchungsberichte/2016/114_Bad_Aibling_-_Kolbermoor1.html
noch nicht komplett gelesen (dauert), [...]
Das sind ja auch nur knapp 350 Seiten ...
Post by U***@web.de
[...]
Michael
U***@web.de
2018-10-29 19:44:53 UTC
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Post by Michael Unger
Post by U***@web.de
https://www.eisenbahn-unfalluntersuchung.de/SharedDocs/Downloads/EUB/Untersuchungsberichte/2016/114_Bad_Aibling_-_Kolbermoor1.html
noch nicht komplett gelesen (dauert), [...]
Das sind ja auch nur knapp 350 Seiten ...
Dann mal weiter:

"Da der Fdl die Festlegung des Zb nicht hilfsauflösen konnte und eine
signalmäßige Ausfahrt für Zug 79505 in Bad Aibling weiterhin nicht
stellbar war, ging er von einer vermeintlichen Störung aus."

Nein, das war der Berichtschreiber. Der Fdl ging irrtümlich von
einer Störung aus.




Schritt c) Ril 408.0455 Abschnitt 3 „Bedingungen für das Zulassen einer Zugfahrt mit besonderem Auftrag“ Abs. (d) „Erlaubniswechsel“
„Auf Strecken, für die Erlaubniswechsel vorhanden ist, muss sich
die Erlaubnis bei der Zugmeldestelle befinden, die die Zugfahrt zulässt.
Auf Strecken ohne Erlaubnismelder, bei denen Zugfahrten in der Regel
in beide Richtungen mit Fahrtstellung eines Hauptsignals zugelassen
werden, muss der Fdl, der die Zugfahrt zulässt, den Fdl der benachbarten
Zugmeldestelle verständigen. Der Fdl der benachbarten Zugmeldestelle muss
Merkhinweis (…) und Sperre (…) anbringen bzw. eingeben, bis der Zug auf
der Zugmeldestelle angekommen ist. Die Zugfahrt darf zugelassen werden,
wenn der Fdl der benachbarten Zugmeldestelle mitgeteilt hat, dass er
Merkhinweis und Sperre angebracht bzw. eingegeben hat.“

(Also hier Selbstverständigung mit Merkhinweis und Sperre?)

Für die Strecke Bad Aibling–Kolbermoor ist kein Erlaubniswechsel
vorhanden. Die noch immer gültigen vorläufigen Grundsätze für die
technische Blockstrecken-Sicherung der Zugfolge mit Schaltmitteln
der Fahrstraßentechnik in Fernstellbereichen finden sich in der
Verfügung der HVB vom 29.08.1984 – B 4.B 4012 Sav 322/1 –,
die ein Bestandteil der gültigen Ril 818 ist.
Daraus ergibt sich, dass es sich zwischen Bad Aibling und Kolbermoor
um Zb 65 ohne Selbstblockstreckengruppe handelt. Hieraus folgern zwei
Tatsachen:
1) Die Regeln in Ril 408 und 482 zum Zb sind anwendbar.
2) Nach der Verfügung vom 29.08.1984 zu den Grundsätzen der
Blockstrecken-Sicherung mit Schaltmitteln der Fahrstraßentechnik in
Fernstellbereichen und für Zb 65 ohne Selbstblockstreckengruppe ist
bei mehr als einem Blockabschnitt (= Zugfolgeabschnitt) zwischen zwei
Zugmeldestellen Erlaubnisabhängigkeit nachzurüsten, allerdings mit der
Einschränkung im Rahmen der den Bundesbahndirektionen zur Verfügung
stehenden Mittel. Zwischen Bad Aibling und Kolbermoor sind zwei
Zugfolgeabschnitte vorhanden. Es fehlen Erlaubnisabhängigkeit,
Ausfahrsperrenmelder und Vor- bzw. Rückblockmelder (Anmerkung: Das Fehlen
der Vor- und Rückblockmelder zwischen Bad Aibling und Kolbermoor wird nicht
weiter betrachtet). Seitens der DB Netz AG und nach Auskunft aller
gesprochenen Fdl in Bad Aibling ist zwischen Bad Aibling und Kolbermoor
Zb vorhanden. Die örtlichen Regelungen im Betriebsstellenbuch sind nicht
widerspruchfrei. Für die Strecke zwischen den Bf Bad Aibling und Kolbermoor
wird als vorhandene Blockbauform einerseits „Selbstblock Siemens“ angegeben,
während in der Beschreibung der Signalanlage (nach Ril 482.9001A02) hierzu
jedwede Angabe fehlt. Andererseits werden aber die Blocksignale 313 und 314
als Zbk bezeichnet. Die abweichenden Vorgaben im Betriebsstellenbuch wurden
nicht berichtigt. Die Kenntnis der richtigen Blockbauform ist für den Fdl
von zentraler Bedeutung, denn danach richtet sich, welche Bestimmungen
aus den Richtlinien zur Anwendung kommen müssen.
Die Ril 482.9021 „Signalanlagen bedienen – Selbsttätiger Streckenblock“
enthält in den §§ 1–4 Regelungen nur für den Selbstblock und in den
§§ 5 und 6 ausschließlich für den Zb. Regelungen für Blockstreckensicherung
in Fahrstraßentechnik sind nicht vorhanden. Auch in der Ril 408.0244
„Modul – Züge fahren; Räumungsprüfung – Strecken mit selbsttätigem
Streckenblock“ wird bei den Vorgaben für den Fdl zwischen Selbst- und
Zb unterschieden.



Den Fahrplanunterlagen kann ein Tf nicht entnehmen, ob eine planmäßige
Zugkreuzung in einem Bf stattfindet oder nicht.

Schreibt man da nicht mehr ein X [Zugnummer des Gegenzuges
oder der Gegenzüge] in den Buchfahrplan?
Diesbezügliche Darstellung in EBuLa kenne ich nicht.

Daß der Tf außer bei Zugleitbetrieb nicht nachfragen muß,
wenn die Kreuzung einmal nicht fahrplanmäßig stattfindet,
ist mir klar.


=>

Nach Rücksprache mit der Sicherheitsbehörde sowie Sichtung und Bewertung
diverser vorliegender Schreiben der HVB, des BZA und der ZTL der ehemaligen
Deutschen Bundesbahn handelt es sich um Zb 65 ohne Selbstblockstreckengruppe,
wobei dieser Zb 65 ohne Selbstblockstreckengruppe den Anforderungen des Zb 65
jedoch nicht vollumfänglich entspricht. Im Fall der Strecke zwischen Bad
Aibling und Kolbermoor kommt hinzu, dass hier nicht ein, sondern zwei
Zugfolgeabschnitte bei drei Achszählabschnitten vorhanden und die
entsprechenden Meldeanzeigen nicht gegeben bzw. unvollständig sind.
Folglich durften die Regeln zur Blockabschnittsprüfung durch Auswertung
der Meldeanzeigen auf dem Stelltisch nach Ril 408.0244, Abschnitt 4, Abs. 4
nur in Verbindung mit zusätzlichen örtlichen Regeln zur Anwendung kommen.
Diese örtlichen Regeln bestehen aber nicht.


Sobald ein Asig auf die Strecke zwischen Heufeld und Bad Aibling Fahrt anzeigt, wird das Gleisband der Strecke gelb ausgeleuchtet. Die Fahrtstellung eines Asig auf die Strecke zwischen Bad Aibling und Kolbermoor führt aber zu keiner Ausleuchtung – das Gleisband bleibt dunkel.

Weiterhin orientiert sich die Gleisbandausleuchtung für Besetztanzeigen zwischen Bad Aibling und Kolbermoor an den drei Achszählabschnitten, und nicht an den zwei Zugfolgeabschnitten in Richtung und Gegenrichtung. Dies hat zur Folge, dass die Belegung der Zugfolgeabschnitte dem Fdl teilweise nicht vollständig angezeigt wird. Hinzu kommt, dass die Gelb-Ausleuchtung bei einer Blockabschnittsprüfung mit Signaltaste 313 oder 314 nicht regelwerkskonform und nur unvollständig angezeigt wird.


Gruß, ULF

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