Discussion:
Frage zur Signalisierung von Bahnübergängen
(zu alt für eine Antwort)
Wolfgang Pühl
2016-12-19 10:23:26 UTC
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Ich habe eine Frage, die mir auf meiner "Google"-Suche nicht
befriedigend beantwortet wurde:

Auf Nebenbahnen gibt es das Signal Bü0 / Bü1, die anzeigt, ob ein
Bahnübergang durch Lichtsignale / Halbschranken gesichert ist.

Wie funktioniert das auf Hauptbahnen?
Steht da in genügendem Abstand ein Vorsignal und dann ein Signal, wenn
es nicht sowieso ein Blocksignal gibt?
Wie ist es dann, wenn der BÜ nicht automatisch gesichert werden kann.
Auf allen Bahnübergängen auf der Stecke 93x, die ich oft als Fahrgast
erlebe steht am Bahnübergang eine Tafel "HET".

Vor längere Zeit war auf der Höhe von Moosburg (bei Volkmannsdorferau)
der Bahnübergang (gesichert eigentlich durch Halbschranken) gestört und
das hat dann eine Verspätung von ca. 10 Min eingebracht.
Wie ist da das vorgeschrieben Verhalten des Triebfahrzeugführer?

Meines Erachtens muss der Triebfahrzeugführer dann den Bahnübergang per
HET selbst einschalten und bekommt dann ein ZS1 mit Rücksprache bei der
Fahrdienstleitung.

Wolfgang
Holger Koetting
2016-12-19 17:09:28 UTC
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Auf Nebenbahnen gibt es das Signal Bü0 / Bü1, die anzeigt, ob ein
Bahnübergang durch Lichtsignale / Halbschranken gesichert ist.
Wie funktioniert das auf Hauptbahnen?
Du verwechselst da einiges. Die Frage der technischen Sicherung
hängt sich zunächst mal nicht an Haupt- oder Nebenbahnen auf.
Anlagen mit Bü 0/1 findest Du auch an Hauptbahnen.

Grob gesagt gibt es folgende Arten:
"Fremdbedient":
- rein wärterbediente Schranken ohne technische Abhängigkeit
- wärterbediente Anlagen mit technischer Abhängigkeit

Wärter ist diesem Fall übrigens nicht mit einem alleinigen
Schrankenwärter gleichzusetzen; ein Fahrdienstleiter bedient
eine Schranke in der Eigenschaft als Schrankenwärter mit.
Technische Abhängigkeit bedeutet üblicherweise Deckung durch
ein Hauptsignal.

"Zugbedient":
- Fernüberwacht
- Lokführerüberwacht
Wie ist es dann, wenn der BÜ nicht automatisch gesichert werden kann.
Hängt davon ab, wer den Bü bedient. Bei Lo-Anlagen ist der Tf
alleine für die Sicherung zuständig, weil er auch alleine den
Sicherungszustand der Anlage erkennt.

Bei anderen Anlagen wird der Tf einen entsprechenden Befehl zum
Verhalten am Bahnübergang erhalten. Was im übrigen auch heißt, daß
die Sicherung des Bü dem Tf übertragen wird.
Meines Erachtens muss der Triebfahrzeugführer dann den Bahnübergang per
HET selbst einschalten und bekommt dann ein ZS1 mit Rücksprache bei der
Fahrdienstleitung.
Das ist in fast allen Fällen Quark. Ich will nicht ausschließen, daß
es da solche Einzellösungen gibt, aber das wäre eher ungewöhnlich.
Zs 1 wegen Bahnübergang gibt es üblicherweise nur, wenn die
BüHFT-Bedienung wirkungslos geblieben ist.

Gruß,

Holger K. aus D.
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Streckenstillegung? Nein, es wird nur nichts bestellt!

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whp
1970-01-01 00:00:00 UTC
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Danke erst mal, dass du dir die Mühe gemacht hast so ausführlich
zu antworten!
Ich bin halt Nicht-Eisenbahner, aber an (Bahn-)Technik interessiert.
Post by Holger Koetting
Du verwechselst da einiges. Die Frage der technischen Sicherung
hängt sich zunächst mal nicht an Haupt- oder Nebenbahnen auf.
Anlagen mit Bü 0/1 findest Du auch an Hauptbahnen.
- rein wärterbediente Schranken ohne technische Abhängigkeit
- wärterbediente Anlagen mit technischer Abhängigkeit
Wärter ist diesem Fall übrigens nicht mit einem alleinigen
Schrankenwärter gleichzusetzen; ein Fahrdienstleiter bedient
eine Schranke in der Eigenschaft als Schrankenwärter mit.
Technische Abhängigkeit bedeutet üblicherweise Deckung durch
ein Hauptsignal.
Im Fall der technischen Deckung:

Soweit ich das verstehe:

Das Hauptsignal steht dann auf HP0, wenn der Bahnübergang nicht
gesichert ist.

Das weitere Vorgehen?

Der Triebfahrzeugführer nimmt Rücksprache mit dem FDL(oder
umgekehrt), da er erstmal nicht weiß warum er nicht HP1 bekommt.

Reicht dann mündliche Anordnung um HP0 zu überfahren bis kurz vor
dem BÜ langsam vorzurücken, davor stehen zu bleiben und den BÜ zu
sichern.
Oder kommt da doch das Zusatzsignal ZS1 ins Spiel? Denn beim
einfachen Überfahren von HP0 müsste die PZB ansprechen. Oder kann
der FDL das Signal "überstimmen und dem Triebfahrzeugführer einen
einfachen mündlichen Befehl erteilen, an den BÜ zu laufen und per
HET zu schließen, es ist doch eine ziemliche Entfernung zwischen
Signal und BÜ, um den Bremsweg zu sichern.
Post by Holger Koetting
- Fernüberwacht
- Lokführerüberwacht
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Holger Koetting
2016-12-20 19:37:57 UTC
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Post by whp
Das Hauptsignal steht dann auf HP0, wenn der Bahnübergang nicht
gesichert ist.
Reicht dann mündliche Anordnung um HP0 zu überfahren bis kurz vor
dem BÜ langsam vorzurücken, davor stehen zu bleiben und den BÜ zu
sichern.
Wie ich schon schrieb, er erhält einen Befehl (üblicherweise 8)
und dann bekommt er einen Fahrtbegriff. Hp 1 etc. Mündlich gibt's
da nix.
Post by whp
Oder kommt da doch das Zusatzsignal ZS1 ins Spiel?
Wie ich schon schrieb, nur wenn die BüHFT-Bedienung erfolglos war.
Post by whp
einfachen mündlichen Befehl erteilen, an den BÜ zu laufen und per
HET zu schließen, es ist doch eine ziemliche Entfernung zwischen
Ein signalabhängiger Bü hat in den meisten Fällen keine HET.

Gruß,

Holger K. aus D.
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Post by Holger Koetting
Gruß,
Holger K. aus D.
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Danke!

Jetzt weiß ich es sehr genau.

Wolfgang P.
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Helmut Barth
2016-12-21 16:42:00 UTC
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Salut!
Post by Holger Koetting
Wie ich schon schrieb, er erhält einen Befehl (üblicherweise 8)
und dann bekommt er einen Fahrtbegriff. Hp 1 etc. Mündlich gibt's
da nix.
Doch! Die Übermittlung des Befehls ...

SCNR, Hel*Korinthenausscheider*mut
whp
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... >
Post by Holger Koetting
Ein signalabhängiger Bü hat in den meisten Fällen keine HET.
Mittlerweile habe ich auf der Strecke München - Landshut genau
nachgesehen, die Tafel "BÜ Automatik HET" steht nur an dem linken
Gleis.
Die Tafel wäre sichtbar, wenn der Zug wirklich links fahren würde.
Meines Erachtens ist die Strecke aber für Gleiswechselbetrieb
ausgestattet, da die erforderlich Signale sowohl am rechten, wie
am linken Gleis stehen (einschl. Geschwindigkeitsanzeiger).
Allerdings habe ich - Baustellen ausgenommen - nie eine
Zugüberholung oder gar einen Linksfahrbetrieb gesehen.
Werden die Strecken in Hinblick auf eventuelle Baustellen so
ausgerüstet?


Grüße Wolfgang aus LA
Post by Holger Koetting
Gruß,
Holger K. aus D.
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Holger Metschulat
2016-12-21 21:58:36 UTC
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Post by whp
Reicht dann mündliche Anordnung um HP0 zu überfahren bis kurz vor
dem BÜ langsam vorzurücken, davor stehen zu bleiben und den BÜ zu
sichern.
Bei Hp0 darf nicht (bis auf einige Ausnahmen abgesehen) als Zugfahrt
ohne schriftlichen Befehl (bzw. diesen ersetzendes Ersatzsignal Zs1)
vorbeigefahren werden.

Der Tf weiß, wenn er den Befehl zur Vorbeifahrt bekommt, erstmal nichts
über die Art der Störung(en). Es kann sich ja zum Beispiel auch um eine
Kombination aus gestörtem Streckenblock und gestörtem Bahnhübergang
handeln. Im Befehl bekommt der Tf also gesagt, was er zu tun hat
(beispielsweise am haltzeigenden Signal vorbeifahren, dann vor dem Bü
halten, Pfeifsignale geben, langsam befahren und dann schnell räumen,
dann auf Sicht bis zum nächsten Bahnhof fahren). Die Störungen und das
weitere Vorgehen werden in diesem Fall (technische Deckung) also
komplett vom Fahrdienstleiter behandelt und vorgegeben.

Die Überwachungsarten sind in Wikipedia eigentlich gut beschrieben:

<https://de.wikipedia.org/wiki/Bahn%C3%BCbergang_(Deutschland)#.C3.9Cberwachungsarten>
--
Gruss * Holger Metschulat
Holger * e-mail: ***@stellwerke.de,
http://www.signallabor.de/estw
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(Rechnerraum-Ordnung an der Uni von 1994)
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